Stimmt Ihre Vorbereitung? Johann Lafer und die einfache Kost.

Das frage ich aus reiner Erfahrung. Wenn Sie eine komplexe Präsentation machen müssen, dann bereiten Sie sie ohnehin vor. Müssen Sie „nur“ ein kurzes, schlichtes Wort an jemanden richten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß Sie die Lage unterschätzen.

Und dann geschieht das Unglück und Sie verplappern sich, stottern dahin oder finden grad nicht den richtigen Ton oder kommen nicht auf den Punkt. Und Sie spüren nur eines: den reinen, puren Streß.

Das muß aber gar nicht sein.

Ich habe eben erst vor ein paar Tagen Johann Lafer beim Kochen im TV zugeschaut. Sagt ihm einer: „Ah, das ist eh etwas Einfaches.“ Schaut ihm Lafer tief in die Augen und sagt: „Einfach ist meistens das Schwierigste.

Das erinnert mich an meinen Freund Volker. Volker ist Verwaltungsbeamter in einer kleinen Stadt in Deutschland. Ungefähr 40 Jahre alt, Typ drahtiger Läufer. Reden halten muß er nur ganz, ganz selten, ganz genau genommen nie. 

Im Oktober mußte er ans Rednerpult, traurigerweise beim Begräbnis von Hanno, einem gemeinsamen Freund von uns. Seine Aufgabe war schlicht und einfach, nämlich am Anfang die Gäste zu begrüßen und ein paar einleitende Worte zum Charakter der Trauerfeier zu sagen, damit sich alle auskennen. Das war’s auch schon.

Und das hat Volker getan. Und es war in jeder Hinsicht ganz ausgezeichnet. Schlicht, würdig, ohne pathetisch zu werden. Ich war richtig froh für ihn, daß es ihm so gut gelungen ist, zumal er doch großes Lampenfieber hatte.

Wäre diese Minirede ein Fall für den Stegreif?

Volker hat mir später erzählt, daß er genau das auch gedacht hatte, genau bis vor dem Einschlafen in der Nacht vor dem Begräbnis. Im Bett hat er sich noch geistig vorgestellt, wie er es morgen vermutlich anstellen werde. „Nein, doch nicht. Das muß ich anders sagen ...“ Und die Zweifel sind gewachsen und immer nagender geworden.

So einfach die Aufgabe und doch so schwierig zugleich.

An Schlaf war nun nicht mehr zu denken. Und er steht auf und er nimmt seinen Stift in die Hand und schreibt auf einen kleinen Zettel, damit das Einfache und Wenige Hand und Fuß bekommt. Seinem Schlaf hat das gut getan und seiner Rede sowieso.

Ich liebe diesen Zettel, den ich ihm dann abgeluxt habe. Das Ergebnis sehen Sie im Bild. Erzählt hat mir Volker auch, daß dieser Zettel ungefähr der achte war, die ersten Versuche haben ihm denn doch noch nicht gefallen. Volker hat gut geredet. Weil er Respekt gehabt hat vor der Aufgabe, vor Hanno und uns allen dort im Krematorium in Berlin.

Wie sagt Johann Lafer? Einfach ist meistens das Schwierigste.

Haben Sie keine Zeit, Ihre Rede so richtig gut vorzubereiten? Oder Ihnen fehlen Ideen? Fragen Sie mich. Ich unterstütze Sie gerne.

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