Wie Erzählen Stimmung lenkt. Video mit Markus Söder.

Wer mich schon länger kennt, kennt dieses Wort schon gut:
Niemand läßt sich alles sagen, aber jeder läßt sich alles erzählen.

Ich zeige Ihnen heute eine rhetorisch exzellente Rede. Der Redner ist der wohl zukünftige Ministerpräsident von Bayern und heißt Markus Söder. Gehalten hat er sie am Parteitag der CSU am 16. Dezember 2017.

Es lohnt sich, die ganze Rede zu hören. Sie erfüllt alle Kriterien guter Rhetorik.

Jetzt möchte ich nur auf einen Ausschnitt aufmerksam machen, wo man selbst über youtube spürt, wie Söder da in Stimmung ist, wie er dann genau diese Stimmung nutzt und wie er sie emotional auf seine Hörer überträgt und wie er damit ihre Seelen berührt.

In den entscheidenden Sekunden, wo sein Vater im Sterben liegt, ist es mucksmäuschenstill. Hören Sie das auch? Wenn man bei einer Geschichte die Stille im Saal hört, dann ist sie gut gewählt und gut erzählt.

Was ist das Risiko beim Erzählen gefühlsschwangerer Geschichten? Daß ich gefühlsdusselig werde.

Zitat: Mit der Übertreibung des Guten beginnt das Böse

Wenn ich nur mehr auf Stimmung aus bin, wird das die einen gewaltig nerven. Und die andern sind dann manipuliert statt überzeugt. Keines ist gut.

Söder, der Profibayer, weiß das. Und er kann das Risiko vermeiden. Und wie tut er das? Er macht beides: nach dem (übrigens kompetenterweise nicht tiefen) Eintauchen in die Gefühle steigt er sehr bald auch wieder heraus aus ihnen und macht fröhlich-nüchtern weiter mit der Realpolitik für Bayern, so als wäre sein Vater gar nie gestorben.

So geht das. Kompliment, Herr Söder!

Ich empfehle die ganze Rede. Mein Auszug ist von Min. 12:45 bis 15:45.

Wichtiger Hinweis für meine neuen Leser: Reden werden hier nie aus weltanschaulichen, sondern ausschließlich aus rhetorischen Gründen vorgestellt.

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