Was Redenschreiber im Affekt so sagen – im Film.

„Borgen“ ist eine ganz tolle Serie aus Dänemark. Ich habe sie genossen. Sie ist spannend, unterhaltsam, durchaus realitätsnah, und die Schauspieler sind wirklich gut. Es geht um eine Frau, die Ministerpräsidentin von Dänemark wird.


Quelle: Arte.tv (im Bild: Nyborg und Juul)

Als Redenschreiber habe ich natürlich den Pressemann der Ministerpräsidentin gut beobachtet. Er heißt Kasper Juul. Eine kurze Szene mit ihm hat mir besonders gut gefallen. Im Detail kommentieren tue ich sie nicht, schließlich bin ich befangen. Aber erzählen tue ich sie Ihnen gerne.

Es ist Jahreswechsel. Wir sehen den Gatten der Ministerpräsidentin, Philip Christensen, und ihre beiden Kinder und ein paar andere Leute in Feierlaune. Kasper Juul ist auch da.

Jetzt sehen sie sich die Liveübertragung der Neujahrsansprache von Frau Nyborg an. Die Rede gelingt außerordentlich gut, die Regierungschefin redet engagiert und überraschend emotional. Alle sind erleichtert und total begeistert. Und sie freuen sich, dass Birgitte bald kommen wird.

Die Kamera schwenkt auf Christensen, wie er auf Juul zugeht. Der Dialog unter Männern in Großaufnahme:


Christensen: Haben Sie die Rede geschrieben?
Juul: Ja.

Christensen: Ich dachte, Sie wären ein zynisches Arschloch.
Juul: Das bin ich auch. Aber Ihre Frau zahlt mir ein Vermögen, damit ich diesen Gefühlsmist schreibe.


Das macht einen guten Redenschreiber aus: Dass er nicht sich in Szene setzt, sondern seinen Redner. Dass er nicht seine Rede schreibt, sondern eben die des Redners, mit allem, was zum Redner gehört.

Zugabe für Sie: Aus einem andern Dialog derselben Serie ein Sprichwort aus Grönland...
„Verschweigt man ein Gespenst, dann wird es größer.“

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