Wollen Sie mit Ihrer Rede zitiert werden?

Sie brauchen nur zwei dazu: Gutes Glück und gute griffige Sätze.

Das Glück ist ein Vogerl, in unserm Fall Redakteure, die das gut Gesagte als gut erkennen und dann auch verwenden.

Die guten griffigen Sätze sind kein Glück, sondern Frucht rhetorischer Erfahrung und gediegener Vorbereitungsarbeit.

Ich zeige Ihnen heute 2 Beispiele aus den Nachrichten von gestern.

  1. Die ÖVP ersetzt ihr altes Parteiprogramm aus 1995 durch ein neues 2015. Am Beginn der Debatte darüber veranschaulicht Generalsekretär Gernot Blümel die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des neuen Programms.

    Geschickt bedient er sich des guten alten rhetorischen Stilmittels Requisiten: Er zeigt den Delegierten zwei Mobiltelefone, eines aus 1995 und eines aus 2015. Was für ein starkes und Bild, es wird seine Wirkung nicht verfehlen. Und mit gutem Glück dazu schafft es Blümel mit diesem Satz auch ins Fernsehen.

    Sehen Sie hier den relevanten Ausschnitt von Min 0:40 bis 1:02.



  2. Am selben Parteitag der ÖVP. Es geht nun um einen Antrag von Sebastian Kurz zum sogenannten „minderheitenfreundlichen Mehrheitswahlrecht“. Dieses bedeutet: Der Wahlsieger bekommt die Hälfte aller Mandate minus 1 Mandat, damit er mächtig, aber nicht allmächtig wird.

    Kurzens Kontrahent ist Andreas Khol. In seiner Rede formuliert er einen genialen Satz, mit dem er nicht nur die Mehrheit der Delegierten auf seine Seite bringt, sondern es auch in die Nachrichten schafft.

    Sehen Sie das Video aus der ORF TVthek. Ab Min 1:04 Sebastian Kurz, ab 1:26 für ein paar Sekunden Andreas Khol: Zib 1 Beitrag

    Vielleicht ist dieser Link zu dem Zeitpunkt, wo Sie das jetzt lesen, nicht mehr aktiv. Darum sei hier Khols guter griffiger Satz mit dem rhetorischen Stilmittel der paradoxen Allegorie zitiert:

    „Ein minderheitenfreundliches Mehrheitswahlrecht ist der heiße Eislutscher. Das ist die zitternde Entschlossenheit."

    Der rhetorischen Stilmittel gibt es viele. Sie zu kennen erleichtert gutes Reden ungemein.

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