Roger Willemsen ist tot

 

Ich habe es soeben erfahren.
Ich hatte ihm so gerne zugehört.
Ich hatte seine Bücher so gerne gelesen.

Es ist seltsam, dass ich gerade gestern beim Spazierengehen wieder an ihn gedacht habe, einfach so aus heiterem Himmel, wie man so schön sagt.
„Der war schon so lange nicht mehr im Fernseh’n.“
Und dann: „Na, vielleicht schreibt er ja wieder ein Buch.“

Und heute die Nachricht von seiner Krebserkrankung und seinem Ableben gestern.

Erwähnen will ich Roger Willemsen hier in der Redemanufaktur deshalb, weil er ein Redner der Sonderklasse war. Sehr schnell, aber es hat zu ihm gepasst, weil man beobachten konnte, dass sein Hirn all das gerade eben mal so produziert.

Und es musste raus. Gerade so wie soeben gedacht. Brilliant gedacht, wunderbar formuliert. Immer. In Interviews, in Talkshows (auf youtube ist noch ein Ausschnitt einer Harald Schmidt Show mit ihm als Gast zu sehen), bei Reden und Vorträgen.

Willemsen haben viele gerne zugehört. Ich glaube, er hat sich auch selbst unheimlich gern reden gehört. Seine Bücher zeigen auch einiges an Eitelkeit, wie Umberto Eco. Der Leser soll ruhig wissen, wie unheimlich gebildet ich bin. Es war eine sympathische Art von Eitelkeit, weil er darüber und über sich auch herzlich lachen konnte.

Willemsen haben viele auch gerne lange zugehört, weil er uns nie mit der dichten Dichte seiner wohlüberlegten Überlegungen und scharfen Beobachtungen und tiefen Erkenntnisse alleingelassen hat. Er hat uns immer Geschichten dazugegeben. Immer. Und immer so, dass sie uns traurig, nachdenklich oder, meistens, heiter gestimmt haben.

Über Rhetorik und Kommunikation und über das berufliche Reden hat Willemsen auch nachgedacht, nachgeforscht und erzählt.

Ein besonderes Buch ist das, wo er uns schildert, was er über ein Jahr hinweg im Plenum des deutschen Bundestages beobachtet hat.
Es ist lesenswert für jeden politisch Wachen und für jeden, der beruflich zu reden hat:

Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament



Es ist so traurig, dass Herr Willemsen schon gestorben ist.
Ich werde ihn noch einmal lesen. Und ich werde, dank youtube ist das möglich, wieder an seinen Lippen hängen. Gerade wo er mir ausgerechnet gestern abgegangen ist.

Ich zeige Ihnen hier seinen Vortrag bei einer Konferenz von Kommunikationsprofis:

Die Kunst des Streitens in der Mediengesellschaft.

Schon innerhalb der ersten beiden Minuten hören Sie ihn eine Anekdote von Arnold Schönberg über Kunst erzählen, sodass Sie gar nicht mehr anders wollen und können werden, als ihm weiter an den Lippen zu hängen. Mehr will ich heute nicht sagen.

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