Wie lange kann uns jemand manipulieren? 

Géza Ákos Molnár 23. März 2026


Manipulieren kann mich jemand nur so lange, so lange ich nicht durchschaue, daß er mich manipuliert. Sobald ich es erkenne, ist der böse Zauber auch schon vorbei. Das Gift hat seine Wirkung verloren. Alles ist wieder gut. Augenblicklich. 

Eine der vielen Methoden der Manipulation ist der gefinkelte Einsatz der Sprache, mit dem Ziel, unser Denken zu verengen und nur mehr in eine einzige, ganz bestimmte Richtung zu lenken. Kritisches Denken, seriöses Diskutieren sind nicht mehr möglich – ganz im Sinne der Manipulierer.  

Ein funkelnagelneues Buch beschäftigt sich mit den klugen (Manipulierer sind kluge Menschen!) Wirrungen und Irrungen derer, die die deutsche Sprache in den Dienst der perfiden, raffinierten Manipulation stellen. Ich ergänze: … sehr erfolgreich in den Dienst der Manipulation stellen.

Pauline Voss und Julian Reichelt (Hrsg.), Links-Deutsch Deutsch-Links. 

Mit Beiträgen von Henryk M. Broder, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Joachim Steinhöfel, Wolfgang Kubicki, Waldemar Hartmann, Birgit Kelle, Volker Boehme-Neßler, Norbert Bolz, Harald Martenstein, Marc Friedrich und anderen. Westend Verlag, 2026.

Eine bunte Schar von in Deutschland und zum Teil auch in Österreich bekannten Autoren hat sich zusammengetan, um einzelne einschlägige Begriffe genau unter die Lupe zu nehmen. 

Das sind Wörter, die wir sehr oft hören, die wir sehr selten hinterfragen, die sofort und schnell wirken, die das logische Denken nicht fördern, sondern ausschalten, die also letztlich im Sinne der beabsichtigten Verführung und Verwirrung und der gezielten Verleumdung des Andersdenkenden zu ideologischen Kampfbegriffen umfunktioniert oder sogar extra dafür erfunden und in Umlauf gebracht worden sind.

Wie wirken ideologische Kampfbegriffe?

  • Sie machen argumentationsarm, 
  • sie lähmen die Schlagfertigkeit des Gegners in der  Debatte,
  • sie schalten logisches Denken aus,
  • sie teilen (spalten) die Bürger in gute und böse Menschen
  • sie umgeben den, der sie verwendet, mit der Aura des moralisch Überlegenen.

Ein kleines Beispiel aus unserm Leben: Eltern, Lehrer und Vorgesetzte kennen das nur zugut. Nichts trifft einen ärger als der Vorhalt oder Vorwurf: „Das ist so ungerecht!“ 

Es sei denn, wir waren tatsächlich ungerecht – dann müssen wir unsere Entscheidung in der betreffenden Sache sofort korrigieren – hat uns das „ungerecht“ zu Unrecht erschreckt und uns womöglich reflexartig zum Widerruf unserer zuvor getroffenen Entscheidung hinreißen lassen. So stark wirkt der schnell erhobene Vorwurf, der im Wort „ungerecht“ zu liegen scheint.

Ist „ungerecht“ immer ungerecht?

Das ist so „ungerecht“ – geht allermeistens von der fixen Idee aus, daß jeder Mensch exakt das Gleiche erhalten muß. Schließlich sind ja alle Menschen gleich, sagt man (ohne „vor Gott“ oder „im Angesicht des Todes“ oder „vor dem Gesetz“ hinzuzufügen). 

Wer nur zwei Kinder hat, weiß schon, daß das mit dem exakt-das-Gleiche-Geben vielleicht beim Taschengeld ganz gut geht, aber schon beim Fördern einer Begabung viel schwieriger ist. 

Es gibt aber auch ein ganz anderes „gerecht,“ das wir aber in der Hitze des verbalen Gefechts ganz schnell vergessen, sobald uns Ungerechtigkeit vorgeworfen wird. 

Gerecht ist es nämlich, jedem das zu geben, was ihm entspricht, was er braucht, was ihm guttut, also jedem das Seine zugute kommen zu lassen. 

Natürlich investiere ich in die Zukunft des einen Kindes, das Trompete lernt, eine andere Geldsumme als in das andere Kind, das Schachspielen lernt. Im Sinne des Kampfbegriffes „gerecht“ (Menschenbild dahinter: alle sind gleich) ist das natürlich ungerecht.

Im Sinne des individuellen Menschenbilds (nicht alle sind gleich = jeder ist anders, weil einzigartig) war es dann aber sehr wohl sehr „gerecht“, als ich dem einen Kind eine wohlklingende Trompete und dem andern Kind ein Schachbrett mit wunderschönen Schachfiguren geschenkt habe.

Moral und Moralinsäure

Aber zugeben müssen wir folgendes schon: Hören wir den an uns gerichteten Vorwurf „das ist so ungerecht,“ sind wir im allerersten Augenblick wie gelähmt, weil wir nichts mehr fürchten als ungerecht zu sein. 

Wisse, Mensch: Nicht alles, was nach Moral klingt, ist Moral. Oft ist es giftige, ätzende Moralinsäure. Manipulierer lieben Moralinsäure. Mit Moral haben sie nichts am Hut.  

Zurück zum neuen Buch. Die originelle Idee der Herausgeber: einzelne häufig vorkommende Kampfbegriffe unter die Lupe zu nehmen und sie zu entzaubern und zu entgiften.

Wie tun die Autoren das?

Sie gehen der eigentlichen Bedeutung der Wörter auf die Spur. Sie zeigen, wie die hier ins Blickfeld gerückten „Linken“ (in öffentlich rechtlichen Medien, in NGOs und in den Parteien der manipulativ sogenannten „demokratischen Mitte“) diese Begriffe emotional-moralistisch (also bewußt nicht rational-logisch) aufgeladen haben, um so die Deutungshoheit im „linken“ Sinne zu erringen. 

Deutungshoheit kann es natürlich immer nur dort geben, wo es Menschen gibt, die Deutungshoheit auch gewähren. Sie zu gewähren, ist eine Frage der persönlichen Entscheidung. 

Das Buch ist ein Buch der politischen Debatte, daher geht es in ihm um entsprechende Begriffe. Beispiele:

Brandmauer, Desinformation, Energiewende, Femizid, Geschlechtsidentität, Haß und Hetze, LGBTQIA+, Nichtregierungsorganisation, Qualitätsmedien, toxisch, Unsere Demokratie, Verschwörungstheorie, Zeichen setzen. 

Dank des Humors, der Pfiffigkeit und der rhetorischen Schlagfertigkeit der meisten Autoren (ich erwähne insbesonders Wolfgang Kubicki, Hendryk M. Broder und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis) ist das Buch auch lustig und köstlich zu lesen. Ich empfehle es Ihnen gerne.

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