Géza Ákos Molnár 2. Juli 2026
„Der Babler“ hat sich ganz schön vergendert bei der Fußball-WM. Fliegt er extra in die USA zu unseren Jungs und erzählt uns dann, wie schön es war, „die Spielerinnen“ (sic!) zu besuchen.
Für meine deutschen Leser: „Der Babler“ [„da Babla“ – so sagen wir] ist unser Vizekanzler und Sportminister, im Zivilberuf Heurigenwirt. Die Bilder und Spottkommentare über diesen lapsus linguae tauchten auf, als ich gerade dabei war, ausgerechnet das Buch „Genderzwang“ zu lesen.
„Der Babler“ hat sich voll blamiert. Der Politiker Andreas Babler, der freiwillig und ohne jeden Zwang immer, überall, alles und jeden gendert, hat sich zum Gespött aller gemacht. Ja, das ist wahr: Wer gendert, der riskiert was!
Gendern – totritualisiert
Eine Erklärung, die ich dafür gefunden habe: Das Gendern hat sich totritualisiert. Keiner, der gendert, denkt im entferntesten an die Geschlechter von Mann und Frau und schon gar nicht an die Geschlechtergerechtigkeit. Sonst kämen solche Versprecher wie die „vom Babler“ ja nicht vor.
Die Genderer mit XX-Chromosomen und die Genderer mit XY-Chromosomen (ich gendere naturwissenschaftlich präzise!) plappern nur wie befohlen und merken gar nicht, welchen Stuß sie reden. Sie leiern ihre „_:/innen*“ so rasend schnell herunter wie Katholiken beim Begräbnis das Vater Unser herunterrasseln. Jeder der es hört, merkt: Da ist niemand, der ernsthaft zum lebendigen Gott, seinem Vater im Himmel betet, nicht einer. Totritualisiert.
Das große Paradoxon ist aber der fundamentalistische, fanatische und verbissene Einsatz für das Gendern. Geht es sogar so weit, daß Menschen wirklich gezwungen werden, zu gendern? Gegen ihren Willen? Gegen ihre Überzeugung? Gegen ihre eigenen Vorlieben? Im Land, das die Vielfalt, die Diversität so hochhält? Die Antwort: Ja, definitiv. Diesen Zwang zum Gendern gibt es.

Weil die Autoren uns gleich dreierlei geben: Essenz, Emotion, Effizienz.
1/ Essenz. Das Buch vermehrt unser Wissen. Fabian Payr und Dagmar Lorenz lehren. Vor allem aus einem Grund finde ich das sehr, sehr wichtig: Es ist zwar legitim, auch aus purer Stimmung, aus Fragen des persönlichen Geschmacks und aus romantischer Liebe zur Schönheit der deutschen Sprache gegen das Gendern zu sein.
Wer allerdings mit dem subtilen gruppendynamischen oder mit dem tatsächlich in juristischem Gewand daherkommenden Genderzwang konfrontiert ist, braucht nolens volens Wissen, um im Ringen um die Formulierungsfreiheit in Rede und Schrift auch sachlich fundiert argumentieren zu können.
Wer „Genderzwang“ gelesen hat, kann das dann leisten. Er weiß nun wirklich viel mehr über die Geschichte und die ideologischen Wurzeln und die Ziele des Genderns.
Warum ist das wichtig? Es ist unumgänglich, daß wir die Natur der deutschen Sprache und ihrer Grammatik verstehen, hier insbesonders das Wesen des generischen oder inklusiven Maskulinums.
Es ist wichtig, zu klären, wie Sprache, wie unsere Sprechweise wirkt und was sie zu bewirken nicht in der Lage ist. Macht Gendern aus unserer Gesellschaft eine andere? Ist „Geschlechtergerechtigkeit“ herzustellen durch das Gendern praktisch möglich?
Außerdem ist es für die demokratische Auseinandersetzung wichtig zu wissen, was die, die das Gendern durchsetzen möchten, damit wirklich erzielen und bezwecken wollen und welche Kollateralschäden sie damit provozieren und vor allem, mit welchen Methoden sie genau vorgehen.
Darum ist die gesunde, intellektuell redlich vermittelte Lehre so wichtig. Darum ist dieses Buch so gut.
Natürlich: Es ist teilweise anspruchsvoll, hohe Konzentration beim Lesen ist abschnittweise erforderlich; besonders das Kapitel „Gendern als Theorie des Ressentiments“ ist ein geschichtlich, linguistisch und ideologisch äußerst horizonterweiterndes Kapitel. Wunderbar, wie Frau Dagmar Lorenz die tiefen Wurzeln des ganzen weitverzweigten Themas freilegt. Dieses Kapitel ist eine didaktische Meisterleistung höchster Güte!
2/ Emotion. Das Buch erzählt uns viel aus dem Leben. Emotion und Empathie spielen daher freilich fleißig mit. Sprache, die Art wie wir reden, ist etwas unglaublich Individuelles und Intimes. Schon alleine deshalb müßte sich jeglicher Zwang, so oder so zu reden, verbieten.
„Genderzwang“ hat Menschen versammelt, die im Buch ihre Geschichten erzählen. Wir lesen reale Geschichten von Leuten, die als Gegner des Genderns in sehr knifflige Lagen gekommen sind.
Es sind insgesamt 51 Fallbeispiele. Sie sind hochaktuell, die jüngsten aus 2025. Studenten, Professoren, Wissenschafter, die etwas publizieren möchten, Redner, die zum Gendern genötigt werden und viele andere dazu.
Nicht gendern zu wollen, aber zu müssen, das kann in der Praxis ganz schön an die Nieren gehen. Nicht zu gendern kann im Extremfall sogar existentiell gefährlich werden. Gendern und Toleranz schließen einander in der Praxis der „Weltoffenen und Aufgeschlossenen“ sehr schnell aus.
„Weltoffen, aufgeschlossen“ – das sind auch totritualisierte Wörter, ideologische Kampfbegriffe der Gesinnungsethiker, die sich keine verantwortungsethischen Gedanken über all die menschlichen und auch wirtschaftlichen Folgen ihrer autoritär bevormundenden, moralisierenden Praxis machen.
Logisch, daß das Thema emotionalisiert. Weil es emotionalisiert, ist die ganze herrschende Sprachpolitik eine Keimzelle gesellschaftlicher Auseinandersetzung und Spaltung. Das ist sehr traurig, zumal, wenn man sich vor Augen führt, daß es ein ohne Not und ohne Zwang freiwillig uns selbst auferlegtes Kreuz ist, das wir Deutsche (Österreicher, Schweizer) mit dieser vermaledeiten Ideologie tragen. Vermaledeit ist sie, weil deren Gläubige Andersgläubigen keine Freiheit ihres eigenen Glaubens gewähren lassen wollen. Ihre Ideologie ist totalitär und infiltriert alle Bereiche unseres Lebens.
Wer die vielen Fallbeispiele im Buch liest, dem fallen dabei unwillkürlich eigene Erlebnisse ein. Wer da vielleicht seine einsamen Kämpfe um das Gendern ficht, dem tut das auch seelisch richtig gut, zu sehen, daß es viele gibt da draußen, die das Thema herumtreibt und belastet. Manche Geschichte hat ein überraschend gutes Ende. Das gibt es auch. Daher: auch einmal den Widerspruch, die Weigerung wagen.
3/ Effizienz. Das Buch ist unglaublich praktisch. Wir bekommen ein kompaktes Argumentarium in die Hand gelegt – pro und contra Gendern; wir erhalten rechtliche Aufklärung bis hin zu einem Höchstgerichtsurteil, wonach „‘das sogenannte generische Maskulinum [ … ] nach dem allgemeinen Sprachgebrauch und Sprachverständnis Personen jeden natürlichen Geschlechts erfasst‘“ (S. 166). Außerdem finden wir hilfreiche Hinweise auf andere gute Bücher, die das Gendern aus andern Blickwinkeln behandeln als das hier vorliegende Buch.
Meine Conclusio für Sie
Buch kaufen – Buch lesen – Buch kaufen – Buch schenken! Danke!
Der Artikel 1 meines „Grundgesetzes der Rhetorik“ lautet ja: „Jede Rede ist immer eine Dienstleistung. Was heißt das? Wir tun alles, damit sich unsere Hörer leicht damit tun, uns gerne bis zum Schluß zuzuhören.“ Wer gendert, nervt. Wer gendernden Rednern lauschen soll, lauscht nicht lange.
Gendere lieber nicht. Sofern Du etwas bewirken und sympathisch rüberkommen willst: Schreibe und rede lieber ganz normal deutsch. Das ist schön. Das macht Freude. Und es macht beides leichter, das Hören und das Reden.
Sonst kannst Du Dich auch ganz gewaltig blamieren. Wie „da Babla“ mit seinen „Spielerinnen“.
Schlagwörter: Gendern, ZWANG, Freiheit, GRUNDGESETZ, Andreas Babler, GENERISCHES MASKULINUM, Grammatik, INKLUSIVES MASKULINUM, Buch, EFFIZIENZ, Rezension, Gesinnungsethik, rede, Verantwortungsethik, Tipp, FABIAN PAYR, Emotion, ESSENZ, Dienstleistung, DAGMAR LORENZ.
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